Bereits seit 168 Jahren werden in Friedberg sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche aus ganz Hessen gefördert. Am 30. Oktober 1851 wurde auf dem Grundstück Kaiserstraße 136, heute Sitz der Kreisverwaltung, die von Johann Peter Schäfer gegründete Friedberger Blindenanstalt eingeweiht. Kurz darauf, am 3. November 1856, wurde Schäfer zum Ehrenbürger der Stadt Friedberg ernannt. Im Jahr 1912 wurde die Blindenschule in der Mainzer-Tor-Anlage eröffnet, im heutigen Rathaus. 1990, inzwischen in Johann-Peter-Schäfer-Schule umbenannt, erfolgte der Umzug der Schule in die Neubauten auf dem fünf Hektar großen Gelände zwischen Henry-Benrath-Schule und dem Neubaugebiet am Steinernen Kreuz. Doch was hat sich seit dieser Zeit in der Betreuung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendliche alles verändert? Das erläuterte der Schulleiter Achim Merget-Gilles jetzt Mitgliedern der Friedberger CDU, darunter dem Parteivorsitzenden Bernd Wagner, dem Fraktionsvorsitzenden Olaf Beisel und dem Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender.

Die Johann-Peter-Schäfer-Schule (JPSS) ist eine vom Landeswohlfahrtsverband Hessen betriebene Schule mit dem Förderschwerpunkt Sehen. Sie wird von Kindern und Jugendlichen aus ganz Mittelhessen besucht, die sehbehindert oder blind sind und auch mit technischen Hilfen dem Unterricht in der allgemeinen Schule nicht folgen können oder die neben einer Sehbehinderung noch weiteren Förderbedarf haben. Den Jugendlichen soll ein Haupt- oder Realschulabschluss ermöglicht werden. Laut Schulleiter Achim Merget-Gilles lebten Anfang der 90er Jahre 160 der damals 250 Schüler im Internat in Friedberg, heute sind es noch 60 von 185 Schülern. Die übrigen Schüler werden täglich mit bis zu 59 Einzel- oder Sammeltaxis nach Friedberg gefahren. Ursache für den Rückgang im Internatsbereich ist die seit 2009 auch in Deutschland in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention. Seit 2011 sind in Hessen die schulgesetzlichen Voraussetzungen für eine inklusive Beschulung als Regelform geschaffen. Das bedeutet, dass die Eltern blinder und sehbehinderter Schüler ihre Kinder jetzt in eine Regelschule schicken können. Hier ist die JPSS für die Betreuung von rund 360 blinden- und sehgeschädigten Schülern zwischen Fulda und Limburg zuständig, die im Rahmen der Inklusion unterrichtet werden. Zusätzlich leben im Internat noch ganzjährig 18 komplex beeinträchtigte Kinder und Jugendliche.

Bei einem Rundgang durch die Schule konnten die Vertreter der Friedberger CDU auch die Klassenräume in Augenschein nehmen. „Heute flechten Blinde keine Seile mehr wie 1912 in der Blindenschule an der Mainzer-Tor-Anlage. Heute verfügt jeder Schüler über einen Computer-Arbeitsplatz. Blinde tippen im Zehn-Finger-System auf Tastaturen und ertasten Texte mithilfe der Blindenschrift auf der Braillezeile. Auf dem PC läuft eine Software im Hintergrund, die Veränderungen auf dem Bildschirm oder Tastatureingaben abgreift, und diese wahrnehmbar macht. Die Buchstaben, Sonderzeichen, Wörter oder Dateien werden gesprochen. „So ein Arbeitsplatz kostet etwa 20.000 Euro“, erläutert Merget-Gilles. Er verabschiedet die sichtlich beeindruckten CDU-Vertreter mit den Worten: „Es muss einen Ort geben, wo man das Können pflegt!“

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